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Klagenfurter Ökonomin für Arbeit über Weltwirtschaftskrise von 1929 ausgezeichnet

„Preis des Geschichtsvereines für Kärnten und des Landeshauptmannes von Kärnten“ ging an Andrea Ettinger.

Die junge Klagenfurter Ökonomin Andrea Ettinger wurde gestern, Mittwoch, mit dem „Preis des Geschichtsvereines für Kärnten und des Landeshauptmannes von Kärnten“ ausgezeichnet. Sie erhielt ihn für ihre Masterarbeit über die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise von 1929 auf die Kärntner Industrie. Die Überreichung des mit 3.000 Euro dotierten Preises erfolgte durch Geschichtsvereins-Direktor Wilhelm Wadl und LHStv.in Gaby Schaunig in Vertretung von Landeshauptmann Peter Kaiser. Ettinger verfasste die Masterarbeit an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und bekam dafür kürzlich auch schon den Europa-Preis des Landes Kärnten. Bei der Mitgliederversammlung im Kärntner Landesarchiv gab es aber noch eine weitere Ehrung: Der bekannte Archäologe Franz Glaser erhielt die Ehrenmedaille des Geschichtsvereines für Kärnten.

„Die Weltwirtschaftskrise von 1929 lähmte Kärntens Industrien und warf sie in ihrer Entwicklung zurück. Es gab schwere Einbußen in Absatzmenge, Auslastung und Beschäftigung. Viele Unternehmen stellten ihren Betrieb völlig ein. Nur wenige konnten die Krise halbwegs gut überstehen“, fasst Ettinger die Ergebnisse ihrer prämierten Masterarbeit kurz zusammen. Geschichte sieht die vielfältige Akademikerin als großes Hobby an, daher möchte sie die Masterarbeit auch gar nicht als Arbeit bezeichnen. „Es hat mir viel Freude gemacht. Eigentlich wollte ich Geschichte erst in der Pension studieren, aber dann dachte ich mir, warum so lange warten“, erzählt sie verschmitzt. Das Interesse an Geschichte wurde Ettinger schließlich schon in die Wiege gelegt: „Mein Opa war sehr geschichtsinteressiert und auch mein Papa ist es. Als Kind wollte ich Archäologin werden. Geschichte und Latein waren in der Schule meine Lieblingsfächer.“

Doch dann wird die Preisträgerin ernst: „Bei meinen Recherchen habe ich mehrere Parallelen zwischen den 1920er-Jahren und 2020er-Jahren gesehen. In den 1920ern waren es große technologische Umbrüche durch die Elektrifizierung und Rationalisierung in den Betrieben, die den Arbeitsmarkt veränderten. Heute sehen wir wieder mit großer Geschwindigkeit voranschreitende Entwicklungen – ob nun Künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien oder die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer.“ Ettinger verweist aber vor allem auch auf politische Parallelen. „In wirtschaftlich schlechten bzw. unsicheren Zeiten erstarken politische Spannungen und Populismus, die Demokratie gerät unter Druck“, sagt sie. Doch trotz dieser Parallelen dürfe man die Unterschiede der Situationen nicht außer Acht lassen. So seien die 1920er nach dem Ersten Weltkrieg noch von Hunger, Not, Armut und Arbeitslosigkeit geprägt gewesen. „Heute leben wir trotz der aktuellen wirtschaftlichen Probleme in großem Wohlstand und haben mit der Europäischen Union völlig andere soziale Verhältnisse und Voraussetzungen wirtschaftspolitischer Zusammenarbeit innerhalb Europas und darüber hinaus“, betont sie.

Ettinger hat Studien in Angewandter Betriebswirtschaft, Anglistik und Amerikanistik, Marketing und eben auch Geschichte abgeschlossen. Seit 2020 arbeitet sie bei der Infineon Technologies Austria AG in Villach als Projektmanagerin für lokale Human-Resources-Projekte. Davor war sie fünf Jahre lang Universitätsassistentin in der Abteilung für Marketing und Internationales Management an der Uni Klagenfurt. Sie liebt Reisen, vor allem nach Großbritannien, Lesen, Filme, Sport und Sprachen.

Vereinssekretär Thomas Zeloth, Vereinsdirektor Wilhelm Wadl, Historikerin Andrea Ettinger und Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig (von links nach rechts) © Geschichtsverein für Kärnten/Friedrich Hössl
Vereinssekretär Thomas Zeloth, Vereinsdirektor Wilhelm Wadl, Historikerin Andrea Ettinger und Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig (von links nach rechts) © Geschichtsverein für Kärnten/Friedrich Hössl

Beitrag von
Geschichtsverein für Kärnten
Redaktion: Markus Böhm, Pressereferent und Mitglied im Beirat des Geschichtsvereines
Web https://geschichtsverein.ktn.gv.at/

© Geschichtsverein für Kärnten
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